Der historische Georgsbrunnen

 

 

 

Georgsbrunnen und Kriegerdenkmal an der

Straße "Am Born" zwischen Korn- u. Georgsweg.

Bei der idyllisch gelegenen Grünanlage handelt es sich um eine Oase der Ruhe,

die beiden Bänke laden zum Verweilen und Besinnen ein.

 

 

Die beiden Fotos zeigen das Brunnenbecken nach den kürzlich durchgeführten Renovierungsmaßnahmen.

 

Der Stein wurde gereinigt und repariert, die Inschrift neu ausgemalt.

Das Auslaufrohr wurde komplett erneuert.

 

 

 

 

 

Im Zuge der Renovierung des Brunnens wurde auch das Denkmal und die Schriftplatten gereinigt sowie die Inschrift wurde neu ausgemalt.

 

 

Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte

Beim Georgsbrunnen, an der kleinen Straße "Am Born", einer Verbindungsstraße vom Kornweg zum Georgsweg gelegen, handelt es sich um den unbestritten historisch wichtigsten Punkt in Georgenborn, da er unmittelbar mit der Gründung des Ortes verbunden ist.

 

Nachfolgend ein kleiner Streifzug durch die Geschichte:

 

Ende des 17. Jahrhunderts trafen sich die Grenzen des Dreiländereckes Kurmainz, Hessen-Kassel und Nassau-Idstein unweit von Schlangenbad. Bereits nach dem Sieg der Franken über die Alemannen im Jahre 506 sowie der darauf folgenden Gründung des Frankenreiches ergriffen die neuen Herrscher Besitz vom Taunusvorland zwischen dem Binger Loch und der Wetterau. Die wenigen noch dort verbliebenen Bewohner wurden "frankisiert" und "chrsitianisiert". Über 200 Jahre lang siedelten sich in unseren Regionen die Franken an und das neuentstandene Reich wurde organisatorisch erschlossen.


Mit der Einrichtung von Gaugrafschaften entstand entstand z. B. der Rheingau, dessen oberer und mittlerer Teil 983 durch eine kaiserliche Schenkung dem Mainzer Erzbistum zugeeignet wurde. Den östlichen Teil bekamen die Grafen von Eppstein, aus deren Geschlecht nacheinander vier Mainzer Erzbischöfe hervorgingen, zum Lehen. Der westliche Teil fiel zw. 1170 und 1180 an die Grafen von Nassau. Zum Ende des 17. Jahrhunderts setzte eine rege Bautätigkeit im Schlangenbader Talkessel ein, da Hessen-Kassel an seinen Thermalquellen Kurhäuser errichten ließ.


Fürst Georg August Samuel von Nassau rastete bei seinen zahlreichen Jagdausflügen an einem Brunnen, an dessen frischen Wasser er sich erquickte. Aufgrund der in unmittelbarer Nähe eingesetzten Bautätigkeit entschloss er sich zu einer Machtdemonstration und gründete an diesem inmitten seines Jagdreviers gelegenen Brunnens eine bäuerliche Siedlung, die er in Anlehnung an seinen Namen sowie an den von ihm geschätzten Brunnen "Georgsborn" nannte.


Als Bewohner holte er aus Mosbach (heute Wbn.-Biebrich) 12 heimatlose hugenottische Flüchtlingsfamilien, die durch die französichen Kriegszüge in Kurpfalz und insbesondere nach dem neuerlichen Einfall 1693 Haus und Hof verloren hatten und teilte ihnen entsprechendes Siedlungsland zur Bewirtschaftung zu.



Die Gründung des Ortes erfolgte durch ein formelles Edikt und wurde am 8. Oktober 1694 feierlich bekannt gegeben. Der Gründungserlass von Fürst Georg August Samuel von Nassau lautet wie folgt:


Nachdem durch daß verderblich Kriegsgeschehen vieler Familien von Haus un Hof verjaget und verschiedene Plätze eingeäschert worden; Alle daß dieße vertriebenen Personen Ihren Schutz und unter Halt andernorts suchen müßen, … Wir nach reiflicher Überlegung vor Gut angesehen und resolvieret haben, Einigen angegebenen Familien Einen Orth in der Nähe gegen Daß Rheingau zugelegen welches zwar mit großen Bäumen verwachsen … vor Eigen zu übergeben. Erklären demnach, daß dieser Ort, worauff das Dorff gebaut, nach Unß, seinem Landsherrn, Georgsborn benahmbset werden soll. 

 

Bald schon hatten sich die 12 Familien zudammengefunden - sie trugen u. a. die Namen Beitz, Bernhard, Feld, Krauße, Kuhn und Schäfer. Die Anlegung jedes Fleckens der Familien erfolgte in der Weise, dass eine etwa 300 Morgen große Waldfläche gemeinsam abgeholzt wurde; von dem gerodeten Gebiet jeder Neusiedler einen Platz für seine sog. Hofraithe mit einem kleinen Garten sowie 18 Morgen Ackerland erhielt. Als Ackerland wurde den Siedlern eine Wiesenfläche unterhalb des Ortes zugewiesen; es handelte sich hier um die sog. "Röderwiesen". Die Bewirtschaftung dieses Landes wurde ihnen jedoch von den reichen Bauern aus dem mainzerischen Frauenstein missgönnt und so kam es zwischen 1697 und 1723 zu einem heftigen "Weidekrieg", in dessen Verlauf die Georgenborner Siedler mehrfach an den Rande des Ruins gebacht wurden. Wie wir heute wissen, gelang ist ihnen letzendlich jedoch, diesen Konflikt zu überstehen. 

 

1922 wurde am geschichtsträchtigen Georgsbrunnen zur Erinnerung an die im ersten Weltkrieg gefallenen Georgenborner ein Gefallenendenkmal aus Sandstein aufgestellt. Dieses Denkmal wurde fast ausschließlich aus der Kasse der Freiwilligen Feuerwehr finanziert, die damals 200 Mark, die Hälfte des im Jahr 1921 vorhandenen Kassenbestandes zur Verfügung stellte. Das Denkmal wurde nach dem zweiten Weltkrieg mit Kupfertafeln versehen, auf denen die Namen der dann Gefallenen und Vermissten verewigt wurden.

 

Seit Jahrzehnten findet alljährlich am Volkstrauertag eine kleine Gedenkfeier am Denkmal statt, die vom Ortsbeirat sowie der Freiwilligen Feuerwehr veranstaltet wird.

 

Mittlerweile wurde dem Georgsbrunnen durch einige Baumaßnahmen in unmittelbarer Umgebung buchstäblich "das Wasser abgegraben", es plätschert zwar überall in der Umgebung, nur am Brunnen tröpfelt es nur noch spärlich. Dies nahm der Ortsbeirat Georgenborn 2004 zum Anlass, sich für eine Umgestaltung des historischen Brunnens nebst dem dazugehörenden Gelände stark zu machen.

 

Unter der Leitung von Herrn Prof. Andreas Paul von der Fachhochschule in Geisenheim erarbeiteten die Studentinnen und Studenten des Fb 04, Studiengang Landschaftsarchitektur, verschiedene Vorschläge zur Umgestaltung des Geländes, die im Rahmen eines von der Gemeinde Schlangenbad ausgelobten studentischen Ideenwettbewerbes prämiert wurden. Obwohl mehrere Vorschläge prämiert bzw. angekauft wurden, gelang es bislang aufgrund der fehlenden Haushaltsmittel noch nicht, sich näher mit der Umgestaltung zu befassen.

 

2007 machten sich einige Kameraden der Freiw. Feuerwehr mit Unterstützung des Ortsbeirates sowie von einigen interssierten Bürgern daran, den Zulauf des Brunnens wieder zu verbessern, was auch in gewissem Rahmen gelungen ist. Die gesamte Zulaufleitung vom Sammelbecken ab wurde freigelegt und neu verlegt, das Sammelbecken soweit möglich saniert. Das marode und undicht gewordene Brunnenbecken selbst wurde ausbetoniert und mit Steinplatten verkleidet, der Wasserauslauf wurde erneuert. Diese sehr umfangreichen Arbeiten zogen sich über drei Jahre hin. Der Brunnen zeigt sich seitdem in einem neuen und ansprechendem Bild.

 

 



Der Georgsbrunnen vor der Renovierung

 

 

 

 

 

Dankeschön!

Der Ortsbeirat bedankt sich von ganzem Herzen bei allen Helfern, die z. T. viele Stunden ihrer Freizeit für diese Instandsetzung und Renovierung geopfert haben oder Unterstützung in anderer Form zuteil werden ließen.

 

Ein besonderer Dank an die Herren Joachim Weitze und Karl Wintermeyer, die nicht nur die hauptsächliche Planung sowie die "Bauaufsicht" inne hatten sondern darüber hinaus auch das Brunnenbecken im Alleingang mit den Steinplatten verkleidet haben. 

 

Ebenso ein Dankeschön an die Gemeindeverwaltung für die Unterstützung durch Abfuhr von Abraum, Anlieferung von benötigten Materialien sowie natürlich auch für die Übernahme der angefallenen Kosten für das benötigte Material.

 

Nicht zuletzt ein weiteres Dankeschön an die gleiche Adresse für die Erneuerung des Zaunes!